Neuzeit-Ausgabe März 2013

Neuzeit2013_03_GermanyGoesRawLiebe Heike, Du führst eine Onlineplattform namens www.GermanyGoesRaw.de. Was können sich unsere Leser darunter vorstellen? Für wen ist sie gedacht?

GermanyGoesRaw ist ein unabhängiges Informationsportal für den Bereich vegane Rohkost. Auf über 500 Seiten werden alle in Deutschland stattfindenden Rohkost-Events, -Messen und Workshops, Rohkost-Gruppen, Vitalkost-Reisen sowie -Restaurants -Hotels, -Pensionen und Camps vorgestellt. Die Website richtet sich an gesundheitsorientiere Menschen, die sich zum einen über das Thema Rohkost informieren möchten und zum anderen Gleichgesinnten aus der eigenen Region suchen. Des Weiteren werden Informationsquellen aufgeführt, mit denen der Leser tiefer ins Thema einsteigen können, z.B. eine große Anzahl an inspirierenden Rohkostbüchern, leckere Rohkost-Gourmet-Rezepte sowie praktische Zubereitungs-DVDs. Zudem werden eine Vielzahl an Bezugsquellen für Rohkostprodukte aufgezeigt, da viele Produkte zur Zeit nur über den Versandhandel in Rohkostqualität bezogen werden können.

Seit wann machst Du Rohkost? Und wie bist Du dazu gekommen, Dich in der Rohkostszene so stark zu engagieren?  

2007 bin ich durch Zufall zur Rohkost gekommen als ich mich allein durch ein 2-wöchiges Basenfasten von einer äußerst schmerzhaften und seit 25 Jahren andauernden chronischen Magen-/Darmentzündung geheilt habe. Ich hatte bis dahin noch nie etwas von der starken Heilwirkung der Rohkost gehört und wusste gar nicht, wie mir geschah, als ich quasi von heute auf morgen genaß. All die Jahre zuvor hatte ich schon unzählige Therapien bei den verschiedensten Ärzten durchlaufen, aber nichts half. Und dann verschwanden innerhalb der 2 Wochen Basenfasten, die aus einer rein veganen und größtenteils rohköstlichen Ernährung bestand, nahezu all meine Beschwerden. Diese Erfahrung hat mich so tief berührt, dass ich mich sofort entschied, die kraftvolle Heilbotschaft der Rohkost so weit zu verbreiten, wie es mir nur irgend möglich ist.

Was machst Du beruflich?

Kurz nach meiner eigenen Heilerfahrung habe ich damit angefangen, informative Webseiten über die Heilwirkung der Rohkost ins Netz zu stellen. Zudem habe ich zusammen mit Gleichgesinnten Rohkost-Events organisiert, deutschlandweit an die 100 Rohkost-Gruppen mitbegründet und eine Vielzahl an neuen Rohkost-Projekten initiiert. Schnell wurde klar, das diese ehrenamtliche Tätigkeit auch gleichzeitig meine ganz persönliche Berufung ist. Somit entwickelte ich innerhalb weniger Monate auch eigene Geschäftsideen im Rohkost-Bereich, so dass ich bald darauf meinen bisherigen Job als Marketing-Managerin an den Nagel hängen konnte und meine eigene Existenz im Rohkost-Bereich gegründet habe. Beide Tätigkeiten, sowohl die berufliche als auch die ehrenamtliche, gehen heute Hand in Hand und erfüllen mich zutiefst.

Was hat Dich dann dazu bewogen GermanyGoesRaw zu gründen?

In der ersten Zeit als „neugeborene“ Rohköstlerin fühlte ich mich zwar gesundheitlich fantastisch, aber gesellschaftlich kam ich mir oft wie ein grünes Marsmänchen auf einer einsamen Insel vor. Essen hat schon immer auch eine gesellschaftliche Komponente beinhaltet und als ich plötzlich nur noch Rohkost aß und nur Wasser oder frisch gepresste Säfte trank, war das für viele Freunde und Bekannte mitunter recht befremdlich. Mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt und ich komme super damit klar. Dennoch war ich auch an Treffen mit Gleichgesinnten interessiert und  recherchierte seinerzeit im Netz, was in Deutschland rohköstlich wohl so los ist. Innerhalb kurzer Zeit war ich geradezu erschlagen von der Fülle an Rohkost-Angeboten. Neben großen Rohkost-Messen, die von Zehntausenden von Besuchern regelrecht bestürmt wurden, fand ich massenhaft Rohkost-Veranstaltungen, von denen jedes Jahr allein in Deutschland über 2.000 stattfinden. Alles, was ich zum Theme Rohkost fand, wollte ich als eine Botschaft in die Welt geben, so dass auch der Rest des Landes merkt: Deutschland isst roh! Damit war die Idee von „GermanyGoesRaw“ geboren.

Was ist deine Vision die Du mit der Roh-veganen Ernährung verbindest?

Als ich auf die Rohkost-Ernährung umstieg, machte ich selbst sehr schnell die Erfahrung, dass die vegane Rohkost nicht nur auf der körperlichen Ebenen heilend wirkt, sondern vor allem auch auf der seelischen und geisitgen Ebene viel Positives bewirkt. Sie entgiftet den Körper von ungesunden Stoffen wie Schlacken, Schwermetalle etc. und entgiftet den Geist von negativen Gedankenmustern, was sich allgemein entspanned auf die Seele und das ganze Wohlbefinden auswirkt. Wenn ich an Vision denke, dann sehe ich eine friedvolle Welt zwischen Mensch, Tier und Natur, in der die veganen Rohkost eine entscheidende Rolle spielt. Dass die Rohkost eine so starke Wirkung auch auf der spirituellen Ebene hat, wird mittlerweile von vielen Medizinern bestätigt, u.a. von Dr. med. Dahlke mit seinem Buch Peacefood/Friedensnahrung oder von Dr. Brian Clement, Leiter der weltweit bekanntesten Rohkostklinik Hippocrates Health Institute.

Wie würdest Du dich im Nachhinein auf die Rohkost vorbereiten bevor du beginnst? Würdest Du etwas anders machen?

Nein, ich würde mich nicht lang vorbereiten, sondern einfach sofort anfangen. In der Therorie gibt es innerhalb der Rohkost viele verschiedene Ansätze. Welcher Ansatz für einen selbst der richtige ist, findet man nur durch die eigenen Erfahrung heraus. In der Anfangszeit habe ich sicher zu viele süße Früchte und Trockenobst gegessen. Das geht den meisten so. Mit der Zeit optimiert man die Ernährung und findet heraus, was einem persönlich besonders gut tut. Heute bildet die grüne Rohkost mit Wildkräutern und Algen einen großen Anteil. Viele meiner persönlichen Erfahrungen teile ich mit interessierten Lesern auf meiner Website RohSpirit.

Für Rohkost-Beginner ist es gut regional mit erfahrenen Rohköstlern in Kontakt zu treten. Wie ist das möglich?

Auf der Website von GermanyGoesRaw habe ich PLZ-Bereiche angelegt. So findet jeder Rohkost-Interessierte eine Vielzahl an Rohkost-Angeboten sowie Gleichgesinnte aus der eigenen Region. Außerdem besteht die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, in dem man z.B. eigene Rohkost-Gruppen gründet, die dann über die Seite von GermanyGoesRaw bekannt gegeben werden.

Kannst Du dir vorstellen jemals wieder „Normale“ Ernährung zu machen? Und warum?

Da die Rohkost so was wie ein Befreiungsschlag für mich war, kann ich mir das nicht wirklich vorstellen. Ich steckte davor 25 Jahre in einer chronischen Krankheit fest, die mich in sehr vielen Bereichen stark eingeschränkt hat. Außerdem habe ich erst durch die Rohkost meine wahre Berufung gefunden. Somit ist diese Art der Ernährung eines meiner größten Geschenke, die ich je erfahren durfte. Um nichts in der Welt möchte ich wieder zurück. Aus meiner Sicht ist die heutige Rohkost auch kein Verzicht. Sie bietet weit mehr als Salat, Apfelstücke und Karottensticks. Bei dieser Art der Ernährung kommt man sowohl kulinarisch (viele neue Gourmet-Rezepte – alles frisch & pur) als auch gesundheitlich (energiespendend und hohes Heilungspotential) sowie spirituell (entwicklungsfördernd) auf den höchsten Genuss. Das ist auch ganz logisch, denn Nahrung, die voll ist mit vitalisierender Lebenskraft, bringt natürlich Fülle auf allen Ebenen. Erhitzte Nahrung, getötetes Tierfleisch oder Fertigprodukte haben all ihre Lebenskraft während des zumeist sogar industriellen Verarbeitungsprozesses verloren. Viele Leser haben sicher schon von dem krebserregenden Stoff Acrylamid gehört, der bei hohen Temperaturen wie Braten, Backen und Fritieren von stärkehaltigen Lebensmitteln entsteht. Zudem werden der „normalen“ Ernährung i.d.R. gesundheitsbedenkliche Zutaten hinzugefügt, wie wachstumshemmende Konservierungsstoffe, künstliche Farb- und Aromastoffe und sogar nebenwirkungsreiche Geschmacksverstärker wie Glutamat. All diese Stoffe kommen in der veganen Bio-Rohkost natürlich nicht vor. Bildlich gesprochen ist so, als ob ich mich vorher bei der „Normalen“ Ernährung von zumeist energieloser verbrodelter und verbrannter Nahrung  aus der „Hölle“ ernährt habe und nun im fruchtigen Paradies gelandet bin. Wenn man das erkennt, dann wird sehr schnell klar, dass die rohe naturbelassene Nahrung wie ein Schlüssel zum eigenen persönlichen Garten E(r)den ist. Wer diesen einmal betreten und über einen längeren Zeitraum die himmlische Wirkung erfahren hat, geht nie wieder zurück.

Was ist Dein Rohkost-Tipp für die kalte Jahreszeit?

Viele denken, dass die Rohkost nur kalte Speisen beinhaltet, aber dem ist nicht so. Die Nährstoffe in unserer Nahrung werden erst ab einer Temperatur von etwa 42°C zerstört. Wenn die Nahrung in unseren Körper gelangt, wird sie ja auch erwärmt auf ca. 37°C Körpertemperatur, also kann man die Nahrung, die man isst, auch vorher auf diese Temperaturen erwärmen. Somit bereite ich mir im Winter mitunter warme Rohkost-Suppen zu oder warmen Rohkost-Tee. Zudem bietet die Gourmet-Rohkost eine Fülle an warmen Gerichten wie Rohkost-Pizza, Lasagne, Gemüseauflauf u.v.m. – alles sanft erwärmt bis max. 42°C. Ich habe eine Vielzahl an Rohkost-Rezepten entwickelt, die ich auf der Website rohzepte veröffentliche.

Wie sind in den letzten Jahren die Reaktionen auf GermanyGoesRaw? Siehst Du eine „Pro-Rohkost“-Entwicklung?

Das Interesse an GermanyGoesRaw wächst täglich. Die monatlichen Seitenabrufe meiner Websites bewegen sich mittlerweile im 6-stelligen Bereich, Tendenz stark steigend. Zudem erreichen mich jede Woche neue Rohkostangebote, vor allem auch aus der Gastronomie, die zunehmend Rohkost-Gerichte mit auf die Menukarte nehmen und sogar ganze Rohkost-Urlaubswochen anbieten. Jeden Monat kommen neue Rohkost-Bücher auf den Markt und viele Rohkost-Shops berichten über Zuwachsraten im 2-stelligen Bereich. Seitdem ich zur Rohkost gekommen bin,  beobachte ich, dass der Markt stark boomt.

Hast Du ein Lieblingsrezept? 

Eines meiner Lieblingsrezepte ist die Zubereitung von Rohkost-Brot. Brot habe ich in der Anfangszeit am meisten vermisst und da war ich ganz happy, als ich dieses geniale Rezept bekommen habe, welches ich gern an die Leser weitergebe.

  • 1,5 Tassen gemahlener Leinsamen (braun für dunkles Brot, golden für helles Brot)
  • 4 Tassen gemahlene Mandeln (die Mandeln ggf. vorher zur Enzymaktivierung ca. 10 – 12 Std. einweichen/ankeimen, anschließend trocknen und zu Mehl verarbeiten)
  • beliebige Gewürze, z.B. gemahlene getrocknete Tomaten, Paprikapulver, italienische Kräuter, Meersalz, Pfeffer
  • Rohe Sojasosse nach belieben – imitiert einen backähnlichen Geschmack
  • Saft einer halben Zitrone
  • optional: Kokosmehl

ZUBEREITUNG:

Gemahlener Leinsamen mit derselben Menge Wasser (1,5 Tassen) für ca. 15 Minuten in einer großen Schüssel einweichen. Anschließend alle Zutaten hinzufügen und gut vermengen. Dabei ist wichtig zu wissen: Je mehr Leinsamen man nimmt, desto dichter wird der Teig. Je weniger Leinsamen desto luftiger und lockerer wird der Teig.

Anschließende den Teig zu einem langen Laib formen oder in eine mit Kokosmehl bestäubte Kastenform geben. Den Teig auf ein Brett stülpen und in beliebig dünne/dicke Scheiben schneiden. Die Scheiben auf ein Backblech legen und für ca. 6 bis 8 Stunden bei ca. 42°C im Dörrgerät trocknen. Zwischendurch wenden. Alternativ kann das Brot auch im Backofen bei ca. 45 – 50°C und leicht geöffneter Backofentür innerhalb 2 – 4 Stunden (je nach Dicke der Scheiben) getrocknet werden. Das Brot hält sich für ein paar Tage im Kühlschrank.

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VERWANDTE SEITEN

Rohkost-Rezepte – die Vielfalt der Neuen Gourmet-Rohkost

RohSpirit – Website von Heike Michaelsen

NeuDeutschland – Seminare mit Rohkost-Buffet

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